Spiel.Raum

Handel mit kommunalen Flächenausweisungskontingenten: Eine Feldstudie

Ansprechpartner:
Jun.-Prof. Dr. Stefan Seifert
Dipl.-Wi.-Ing. Jens Müller
Partner:
Fraunhofer Institut System- und Innovationsforschung (Coordinator),
Institute of Information Systems and Management (IISM), Universität Karlsruhe (TH),
Institute for Economic Theory and Operations Research, Universität Karlsruhe (TH),
Büro StadtLandFluss (Prof. Dr. C. Küpfer),
Takon GmbH, Spieltheoretische Beratung
Gefördert durch:
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Rahmenprogramm – Forschung für die Nachhaltigkeit (FONA)

Projektleitung

Dr. Katrin Ostertag, Fraunhofer Institut System- und Innovationsforschung

Projekthomepage

http://www.spielraum.isi.fhg.de

Hintergrund

Bei der Neu-Inanspruchnahme von Freiflächen für Siedlung und Verkehr besteht in Deutschland eine große Diskrepanz zwischen aktueller Entwicklung und der Zielsetzung laut nationaler Nachhaltigkeitsstrategie. Aus diesem Grund wird seit einiger Zeit darüber nachgedacht, den Flächenverbrauch unter Einsatz ökonomischer Instrumente zu möglichst geringen Gesamtkosten zu begrenzen. Neben einer Flächennutzungssteuer werden handelbare Flächenausweisungskontingente als geeignete Instrumente hervorgehoben. Der besondere Vorteil handelbarer Flächenausweisungskontingente besteht darin, dass den Kommunen (und ggf. weiteren Verwaltungsebenen als Träger überörtlicher Vorhaben) Flexibilität und Handlungsspielräume eröffnet werden und neue Siedlungs- und Verkehrsflächen dort ausgewiesen werden, wo dies unter Einhaltung der Umwelt- und Raumordnungsziele aus ökonomischer Sicht am sinnvollsten ist. Im Unterschied zu steuerlichen Anreizen ist bei einem Handelssystem sichergestellt, dass die politisch vorgegebenen Flächenverbrauchsziele auch erreicht werden. Dieser Aspekt ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil Flächen eine Ressource darstellen, die in der Regel weder vermehrbar, noch substituierbar und zudem immobil ist.

Ziele

In mehreren Vorstudien wurden die Designparameter eines Systems handelbarer Flächenausweisungskontingente erarbeitet und verschiedene Gestaltungsoptionen diskutiert. Offen ist die Frage, welche Anreizwirkung dieses Instrument konkret entfaltet und inwiefern sich durch ein solches Handelssystem die erwarteten Effizienzgewinne tatsächlich realisieren lassen. Dabei sind die Strategien, die von Kommunen im Rahmen eines solchen Systems verfolgt werden, bei der Analyse zu beachten. Zur Beantwortung dieser Fragen sollen verschiedene Ausgestaltungsszenarien für einen Handel mit Flächenausweisungskontingenten in mehreren Planspielen simuliert werden. In einem ersten Block wird ein Planspiel in mehreren Runden mit Teilnehmern aus Kommunen durchgeführt. Ausgewählte Praxisakteure sollen hier möglichst realitätsnahe Erfahrungen mit dem Handel von Flächennutzungskontingenten sammeln. Im zweiten Block folgen ergänzende Analysen, u. a. zur vertieften Analyse der Handelsstrategien der Kommunen und zu Verteilungsfragen bei der Erstzuteilung. Außerdem werden kontrollierte Experimente mit Studenten nach den Methoden der Experimentellen Ökonomie durchgeführt. Eventuelle Unterschiede im Vergleich zu anderen Handelssystemen (z. B. CO2-Emissionsrechtehandel) sollen identifiziert und Rückschlüsse für die Ausgestaltung eines Systems handelbarer Flächenausweisungskontingente gewonnen werden. Das Vorhaben leistet damit einen Beitrag zur wissenschaftlich fundierten, konkreten Weiterentwicklung dieses Politikinstruments und zur langfristigen Erreichung nachhaltiger Flächenverbrauchsziele.

Stand

Die Planspielsimulation wurde Mitte 2008 mit den kommunalen Entscheidungsträgern und der studentischen Kontrollgruppe durchgeführt. Für 2009 sind weitere kontrollierte Laborexperimente geplant. Interessenten zum aktuellen Stand der Laborexperimente wenden sich bitte an Dipl.-Wi.-Ing. Jens Müller (Kontakt s. o.).

Berichte

Publikationen

1
Ostertag, K.; Müller, J.; Seifert, S. 2009
Neue Instrumente zur Verringerung des Flächenverbrauchs. Ökologisches Wirtschaften (3). 30–34.
http://www.oekologisches-wirtschaften.de
@Article{CitationKey,
author = {Katrin Ostertag and Jens M\"{u}ller and Stefan Seifert},
title = {{Neue Instrumente zur Verringerung des Fl\"{a}chenverbrauchs}},
journal = {\"{O}kologisches Wirtschaften},
year = {2009},
pages = {30--34},
number = {3},
url = {http://www.oekologisches-wirtschaften.de},
abstract = {Der hohe Fl\"{a}chenverbrauch ist nach wie

vor ein zentrales Problem f\"{u}r eine nachhaltige

Entwicklung. Durch den Handel mit Fl\"{a}chenausweisungszertifikaten

k\"{o}nnen Effizienzgewinne

beim Fl\"{a}chensparen erm\"{o}glicht werden. Bis zur

Praxisreife eines solchen Systems besteht aber

noch erheblicher Bedarf an Akzeptanzschaffung

und Kompetenzbildung.}}

					
 
2
Ehrhart, K. M.; Müller, J. E.; Küpfer, C.; Ostertag, K.; Schleich, J.; Seifert, S. 2008
A Field Experiment with Tradable Development Rights in Germany. in: Climaco, J. (ed.), Group Decision and Negotiation (GDN) 2008. (Coimbra, Portugal). 233–234.
@Inproceedings{CitationKey,
author = {Ehrhart, K.-M. and M\"{u}ller, J. E. and K\"{u}pfer, C. and Ostertag,
K. and Schleich, J. and Seifert, S.},
title = {{A Field Experiment with Tradable Development Rights in Germany}},
booktitle = {Group Decision and Negotiation (GDN) 2008},
year = {2008},
address = {Coimbra, Portugal},
pages = {233-234},
editor = {Climaco, Joa︣o},
month = {June},
abstract = {In Germany there is an ongoing conversion of agricultural land to
residential and commercial uses. The present land use planning policy has been
only partially successful in limiting urban sprawl and, as a result, the actual
use of land for new residential and commercial developments is much higher than
the targets set in the national strategy for sustainable development. Thus,
market-based instruments in land use planning might be a worthwhile alternative
to the traditional instruments. This paper investigates a potential system with
Tradable Development Rights (TDR) covering local authorities in Germany by means
of a field study as well as a controlled lab experiment. The study provides
insights into the actual design of MBIs for Transferable Development Rights,
and on how long-term targets for a sustainable use of land may be reached.}}

					
KIT – University of the State of Baden-Wuerttemberg and National Research Center of the Helmholtz Association